von Helmut Rauch

Die Schützengesellschaft Kronach

Die Schützengesellschaft Kronach gehört zu den ältesten Schützengesellschaften Deutschlands. In einer Aufzeichnung des Deutschen Schützenbundes wird das Jahr 1344 angegeben, in den  noch vorhandenen Unterlagen der Stadt Kronach sind vier „Stadtschützen“ erwähnt, die zu  Schießen nach Bamberg und Koburg fuhren und dazu von der Stadt ein Zehrgeld erhielten. Die Schützengesellschaft Kronach besitzt viele alte Schützenscheiben, die ältesten sind aus dem Jahr 1720. Einige dieser historischen Scheiben sind im Deutschen Schützenmuseum im Schloss Callenberg bei Coburg ausgestellt, andere wurden zeitweise an andere Museen Deutschlands zu besonderen Ausstellungen über das Schützenwesen ausgeliehen.
Sehr alt ist auch die Königskette, die älteste datierte Klippe trägt die Jahreszahl 1565.
Durch die vielen Klippen war die Kette zu schwer und zu wertvoll geworden, sie konnte nicht mehr getragen werden. Nun wird eine neue Königskette mit Klippen ab 1951 bei den Schützenauszügen getragen.

Untrennbar mit der Schützengesellschaft verbunden ist das Kronacher Freischießen, eines der größten und ältesten Volksfeste in Franken. Es wird seit 1588 abgehalten. Anstelle der früher nur für das Fest aufgebauten einfachen Reisighütten wurden 1910 drei feste Bierhütten gebaut. Die beiden jetzt bestehenden Bierhallen wurden 1971 und 1972 errichtet, in den beiden letzten Jahren wurden sie um einen Außenbereich erweitert.

Zum Freischießen gehören auch die Militärkapellen im Musikpavillon. Die erste nachweisbare Kapelle war 1858 die Königlich Bayerische Landwehr-Regimentsmusik Würzburg.
Der Schützenauszug, der am ersten Freischießen-Sonntag vom Rathaus auf die Hofwiese zieht, und der immer Tausende Zuschauer anlockt, hat ebenfalls eine lange Tradition. Mindestens seit 1868 findet dieser Auszug statt. Das erste Fest nach dem 2. Weltkrieg war 1948, veranstaltet von einem Festausschuss (die Schützengesellschaft wurde erst im Oktober wieder neu gegründet), ein Schießbetrieb war aber noch nicht erlaubt. Bei dem jährlich stattfindenden Schützenauszug beteiligen sich über 20 Schützenabordnungen und etwa 10 Musikkapellen.

Nicht vergessen darf man auch den Kinderzug, an dem über 1500  Kinder mit etwa 50 Gruppen und Wägen und etlichen Musikkapellen vom Rathaus zur Hofwiese ziehen. Die Kinder des Festzuges beteiligen sich anschließend mit großem Eifer am Armbrustschießen auf Adler und Schwan, da können schließlich ordentliche Preise gewonnen werden. Die Kinder von Mitgliedern der Schützengesellschaft schießen dann um die Würde des Vogelkönigs und der Schwanenkönigin. Die Jungen schießen schon seit 1928 auf den Adler, die Mädchen seit 1987 auf den Schwan.

Sportliches Schießen steht bei der SG ganz oben an. Eine „Schießstätte auf der Hofwiese“ wird bereits 1497 erwähnt, sie wurde bis 1874 von den Bürgern der Stadt und der Besatzung auf der Festung Rosenberg benutzt und auch danach mit immer weiteren Schießständen  ausgebaut. Diese ganzen Schießanlagen mussten 1945 völlig zerstört werden. 1948 wurde die Wiederfortführung der Schützengesellschaft beschlossen, ab 1950 wurden die Schießstände Stück für Stück wieder aufgebaut, aber erst ab 1951 durfte der Schießbetrieb mit Luftgewehr wieder aufgenommen werden. Zur Zeit hat die Schützengesellschaft in Betrieb: 4 Schießstände 100 Meter, 5 Stände 50 Meter, 5 Pistolenstände 25 Meter, je 2 Stände „Laufende Scheibe“ 50 Meter und 10 Meter sowie 18 Luftgewehrstände.

Schützen der Gesellschaft haben schon an den 1862 in Frankfurt/Main gegründeten Bundesschießen teilgenommen. 1950 wurde eine Jugendabteilung eingerichtet, ihre Schützen wurden 1959 erstmals Deutsche Meister. In den folgenden Jahren gewannen sie mit Luftgewehr und Kleinkaliber mehrere Deutsche Meisterschaften, wurden Rundenwettkampfkampfsieger auf Bundesebene und gewannen zweimal einen Internationalen Fernwettkampf.

Die Krönung schaffte 1966 Gerd Kümmet: er wurde Weltmeister mit dem Luftgewehr. Für diese Leistung wurde er zum Schützen des Jahres gewählt und erhielt die höchste deutsche Sportauszeichnung, das silberne Lorbeerblatt. Dieter Gläßel wurde 1969 Bundesschützenkönig und 2005 wurde er mit einem 8,8 Teiler Gauschützenkönig. 2007 wurde mit Alexander Appel wieder ein Kronacher Schütze Gauschützenkönig.

1970 fingen die Schützen mit dem Schießen auf die „Laufende Scheibe 50 Meter“ an und schon ein Jahr später wurden sie Deutscher Meister in dieser neuen Disziplin. Von 1973 bis 1976 wurde die SG Kronach viermal hintereinander Deutscher Meister auf die „Laufende Scheibe“ und 1987 war das erfolgreichste Jahr der „Keilerschützen“: sie gewannen alle neun Deutsche Meister-Titel dieser Disziplin.

Schützen der SG haben seit 1959 viele deutsche Mannschafts- und Einzelmeisterschaften gewonnen und neue Rekorde aufgestellt. Die „Laufende Scheibe“-Schützen Peter Meserth, Marko Schulze und Christian Stützinger waren mit der Nationalmannschaft an vielen internationalen Erfolgen beteiligt. Sie siegten bei Europa- und Weltmeisterschaften, Christian Stützinger erreichte 1988 bei der Olympiade in Seoul Platz acht und Marko Schulze wurde 2002 mit der Nationalmannschaft Weltmeister mit neuem Weltrekord. Christian Stützinger war im Jahr 2007 Deutscher Meister auf die Laufende Scheibe 50 m.

Auch der Bundestrainer für die „Laufende Scheibe“, Reinhard Rüger, begann seine sportliche Laufbahn bei der SG Kronach. Zu den größten Erfolgen seiner Nationalschützen zählen mehrere Weltmeisterschaften und die Goldmedaillen bei den Olympischen Spielen 1992 und 2004 durch Michael Jakosits und Manfred Kurzer.

Die höchste Auszeichnung des Schützenbezirkes Oberfranken ist die goldene Herzog-Ernst-Nadel. Sie wird an Spitzensportler für Außerordentliche Leistungen verliehen. Von den bisher geehrten Sportlern sind sechs von der SG Kronach: Gerd Kümmet, Peter Meserth, Christian Stützinger, Marko Schulze, Reinhard Rüger und Alf Rüger.


Helmut Rauch
Schützengesellschaft Kronach