von Heinz J. Müller

Die Stadt Kronach

- das Eingangstor zum Frankenwald. Von hier aus führen die enger werdenden Täler zum Rennsteig, dem alten Pfad über den Kamm des Thüringer- und Frankenwaldes. Der Frankenwald und seine Kreisstadt Kronach gehören untrennbar zusammen. Bei Kronach gab es schon in alten Zeiten eine vorkeltische Siedlung im Westen der Stadt, die "Heunischenburg". Später ließen sich Kelten, Germanen und Slawen nieder. Schriftlich erwähnt jedoch wurde Kronach erstmals im Jahr 1003 in der Chronik des Dietmar von Merseburg.

Die Bildung von Schützengesellschaften begann bereits im Mittelalter, wie allgemein vermutet wird.

Überall dort, wo sich mauerbewehrte Stadtkulturen wie einst in Kronach entwickelten, fanden sich Schutztruppen zu Gilden zusammen. Die Bruderschaften übten sich im Gebrauch der Waffen, anfangs Bogen- später Armbrustschützen. Leider reichen die schriftlichen Zeugnisse teilweise nur bis zum 12./13. Jahrhundert zurück. Mit dem Erstarken der Städte und des Bürgertums gelangten diese Gilden zur Hochblüte.

Wie in anderen Städten hatten sich auch in Kronach wehrhafte Bürger zusammengeschlossen, um für Schutz und Ordnung in der Stadt zu sorgen. Während des Hussitenkrieges im Jahr 1430/31 wurde auch in Kronach die Gefahr der Eroberung der Stadt durch eine starke bürgerliche Abwehr gebannt. Diese kriegerische Gefahr machte es jedem wehrhaften Bürger zur Pflicht, sich aus eigenen Mitteln zu bewaffnen und an regelmäßigen Schießübungen auf der Hofwiese teilzunehmen.
Der erste schriftliche Hinweis darüber ist im Magistratsprotokoll vom Jahr 1444 belegt. Die Schützen erhielten ein Zehrgeld durch den regierenden Bürgermeister bei freiwilliger Teilnahme am Schießen in den Nachbarstädten, sowie am Übungsschießen von Mai bis Ende September auf der Hofwiese in Kronach.

Ein Magistratsbeschluss vom 2. September 1588 genehmigte den Kronacher "puchsenschützen für sich selbst ein nachbarliches Gesellenschießen anzufangen", auf dem auch auswärtige Schützen zugelassen wurden. Damit Anreiz geweckt wurde zahlte der Magistrat ein Zehrgeld bei Pflichtübungen und stellte auch noch viele Jahre später die Schießscheiben zur Verfügung.

Die Bezeichnung "Puchsenschützen" (Büchsenschützen) weist eindeutig darauf hin, dass der Wettkampf mit Lunten- und Radschlossgewehren stattfand und somit das erste Freischießen veranstaltet wurde.

Die Kronacher Schützengilde stand wie in vielen anderen Städten unter dem Patronat des heiligen Sebastian, für den eigens ein Altar in der Stadtpfarrkirche St. Johannis Baptista zu Kronach aufgestellt war. Auch trägt die noch vorhandene Schützenkette als Mittelstück eine Silberklippe dieses Heiligen.

Rund 18.000 Menschen leben heute in der Stadt und ihren zwölf Stadtteilen auf einer Fläche von 67 Quadratkilometern, der Abstammung nach bunt gewürfelt, überwiegend Franken. Es dominiert nach wie vor die rauhe, aber herzliche Art des Frankenwälders. Menschen, Natur und Kunst, Handwerk und Industrie sind hier noch in Harmonie. Hightech und Internet sind keine Fremdwörter.
Kronach ist die Geburtsstadt des Renaissancemalers Lucas Cranach d.Ä., des Barockbaumeisters Maximilian von Welsch, des Keltenforschers Johann Kaspar Zeuss, des vielseitigen Künstlers Gottfried Neukam und des akademischen Bildhauers Heinrich Schreiber.

Ab dem Jahr 1122 wurden die jeweiligen Bischöfe zu Bamberg die Landesherren über Urbs und Prädium Crana, wie der Ort früher hieß. Kronach entwickelte sich zunächst zwischen den Frankenwaldflüssen Hasslach und Kronach, später bis zur Rodach. Die Stadt wird von der hoch über ihr gelegenen, im Kern im 13. Jahrhundert entstanden Festung Rosenberg, geprägt. Die als Anlage der Meranier zu erkennende Oberstadt mit ihren zum Melchior-Otto-Platz führenden Parallelstraßen befand sich in der Sicherheit ihrer Ummauerung. Diese ist schon 1328/33 erwähnt. Kriegerische Ereignisse vergangener Zeiten konnten ihr nichts anhaben. Stadt und Festung gingen (bis auf die letzte Auseinandersetzung) immer siegreich hervor.

Die Bausubstanz in der oberen Stadt ist im Kern spätmittelalterlich, von Außen giebel- oder draufständige Fachwerkbauten des 16./17. Jahrhunderts mit massiven, oft älteren Steinbauten und Erdgeschossen in Erscheinung tretend; Baumaterial das hier gebrannt oder gebrochen und abgetragen wurde.

Die im neugotischen Stil errichteten alten Schulhäuser neben der Stadtpfarrkirche werden von Besuchern liebevoll Stadtschlösser genannt. Es sind stolze Bürgerhäuser mit schmuckem Zierfachwerk oder gotischen Fassaden - auch beeindruckt der Melchior-Otto-Platz mit Ehrensäule und dem Johannisbrunnen (beides 17. Jahrhundert). Erklärungstafeln ermöglichen einen Stadtrundgang auf eigene Faust für Besucher und Einheimische.

Aufstieg und Blüte waren der Lohn für die dauernde Wachsamkeit und Bereitschaft an der Nordostgrenze des Bamberger Bistums. Im Schutz der Stadtmauern residierten Pfarrer und Archidiakone, ja zeitweise die Bischöfe selbst. Amtsleute, Vogte und Kastner verwalteten im bischöflichen Auftrag von Kronach aus Teile des Frankenwaldes. So konnte nicht verwundern, dass Handel und Gewerbe in hoher Blüte standen, denn unter dem Krummstab ließ es sich gut leben. Fast alle lebenswichtigen Handwerksberufe hatten sich in Zünften organisiert. Ohne Zunft schienen am Ende des 15. Jahrhunderts die Stuben- und Kunstmaler gewesen zu sein. Aus diesem Handwerkszweig ging Kronachs bekanntester Sohn hervor: Lucas Cranach d.Ä.. Er wurde im Herbst des Jahres 1472 hier geboren. Bilder von ihm, aber auch von Veit Stoß, Adam Kraft, Tillmann Riemenschneider, Hans Süß von Kulmbach u.a. sind auf der Festung in der Fränkischen Galerie zu sehen. (Eine Festungsführung oder ein Galeriebesuch lohnt sich!)

Zurück zum Freischießen: Die Volks- und Schützenfeste sind im ganzen Land mit ihren traditionellen Bezeichnungen bekannt. Obwohl bei allen bisherigen Freischießen schon ausgiebig für Magen und Gaumen gesorgt wurde, war doch bis zum Jahr 1800 noch keinerlei Schaustellungen und Buden außer offenen Darstellungen und Aufführungen wie Bärentreiben, Feuerfresser, Seiltänzer, Zuckerstände und ein Losverkauf auf der Hofwiese zu sehen. Die allmählich einsetzende Säkularisation mit der Aufhebung der geistlichen Gewalt des Staates hob alle diesbezüglichen Beschränkungen auf und es entwickelte sich so langsam das eigentliche Freischießen mit seinem Budenzauber, Karussells und anderen Rundfahrgeschäften auf der Hofwiese. Ein Kino, zwei Kegelbahnen, mehrere mit Fichtenbäumchen umzäunte Bierzelte und ein Glückshafen erweiterten das Fest.

Im Jahr 1830 wurde erneut das Abbrennen eines Feuerwerks genehmigt. Das Volksfest des Frankenwaldes entwickelte sich derart, dass der Magistrat daran erinnerte dass es nicht „auff eine gewinnsucht, sondern mehristen auff ein renommée abzielen soll“. Offensichtlich ging es früher schon mitunter recht bewegt zu, sonst hätte man nicht in Erwägung gezogen die „so gefährliche Hoffwiesenlustbarkeit“ abzuschaffen; aber nach wie vor unterhalten flotte Musikkapellen in den gemütlichen Bierhallen auf der Hofwiese ebenso stimmungsvoll, wie abwechslungsreiche Marsch- und klassische Musik am Pavillon durch eine Militärkapelle.