Ein schillerndes Vergnügen

Erstellt von Rainer Glissnik | |   Neue Presse

Stundenlange Arbeit für zehn Minuten Feuerwerk: Die Mitarbeiter des "Pyrodrom Nürnberg" geben alles, damit die Besucher am Abend vom Lichtzauber begeistert sind.

Kompetent und zielstrebig arbeiten am Donnerstag vier Mitarbeiter von "Pyrodrom Nürnberg" am Festungsberg. Schon Stunden vorher war das Team angekommen und hatte es aufgrund der widrigen Wetterumstände etwas schwieriger mit dem Aufbau. Aber alle Handgriffe sind oft geübt und einstudiert.

Von 75 bis 175 Millimeter Durchmesser waren die "Bomben", die heuer beim traditionellen Feuerwerk am Kronacher Freischießen abgeschossen wurden. Die Abschussrohre funktionieren wie eine alte Kanone. Unten kommt zunächst eine Abschussladung aus Schwarzpulver hinein, als Treibsatz. Durch die Zündung entsteht im Rohr ein Rückstoß. Dadurch wird die Kugel - die sogenannte "Bombe" - nach oben hinausgeschossen. Wie früher die Kanonenkugeln. In der "Bombe" ist ein Verzögerer, der dann je nach Kaliber nach zwei bis fünf Sekunden abbrennt und dadurch die innere Ladung zündet. Die Bombe wird dadurch auseinandergesprengt und so entstehen die Sterne und Muster. Die Menge des Schwarzpulvers entscheidet im Zusammenhang mit der Größe der Kugelbombe, wie hoch diese in den Himmel geschossen wird. "Je größer das Kaliber, umso schwerer ist die Bombe und umso stärker muss die Treibladung sein", erklärt Jörg Werthner. Alles ist exakt vorausberechnet und so ausgerichtet, wie das Feuerwerk vorher in Nürnberg geplant wurde. Alles geht ein Stück in Richtung Festplatz, manches ist auch etwas nach rechts oder links ausgerichtet. Diese Abschussrohre sind dann leicht schräg aufgestellt. Damit alles noch etwas weiter auseinandergefächert wird, gibt es auch zwei Außenpositionen. So erstrahlt dann bei dem Feuerwerk der ganze Berg.

Die Nürnberger machen rund hundert große Feuerwerke im Jahr. Diese kosten natürlich auch einiges. Dennoch ist es für Feuerwerksanbieter gar nicht so einfach, davon leben zu können, erklärt Jörg Werthner auf die Frage. Hauptsaison ist von Mai bis Oktober. Im Winter gibt es allenfalls einige kleinere Privat-Feuerwerke wie an Hochzeiten oder an Silvester. Die laufenden Kosten gehen über das ganze Jahr wie Versicherungen oder Bunker. Alle Feuerwerker machen diesen Job nebenberuflich, obwohl alle eine fundierte Ausbildung benötigen. Jörg Werthner arbeitet hauptberuflich in einer Gewürzmühle, Jochen Heckel ist Elektrokonstrukteur, Simone Fröhlich ist Optikerin, Sven Fröhlich ist Radio- und Fernsehtechniker. Ohne einen gewissen Enthusiasmus und Begeisterung für Feuerwerke wird niemand alt in diesem Beruf. "Es ist schon ein Knochenjob", verdeutlicht Jörg Werthner. "Gerade bei einem Wetter wie heute."

Zweimal erlebten die Pyrotechniker, dass ein Feuerwerk wegen Sturms abgesagt werden musste. Einmal wurde nicht weit weg ein Fußballspiel des FC Nürnberg abgebrochen, so schlimm war es. Ein andermal war außer den Schaustellern wegen des katastrophalen Wetters niemand mehr auf dem Platz.

Bei regnerischem Wetter werden die Abschusseinrichtungen im Lastwagen beladen und sind dann noch schwerer. Normalerweise werden erst die Gestelle aufgestellt und dann geladen. Eine gewisse Feuchtigkeit halten die Kugelbomben zwar aus, wenn es zu arg wird, ziehen sie dennoch Feuchtigkeit, sodass die Steighöhen nicht mehr erreicht werden. Die befüllten Rohre werden deshalb nach dem Aufstellen schnell mit Folie abgedeckt. "Schließlich ist die ganze lange und intensive Arbeit in zehn Minuten verschossen."

"Pyrodrom"-Geschäftsführer Florian Schneider plante das Kronacher Feuerwerk. Am Vorabend wurde der Lastwagen beladen. Dann die Fahrt nach Kronach und der mehrstündige Aufbau. Nach dem Feuerwerk wird noch drei Stunden lang abgebaut und zurück nach Nürnberg gefahren und der Wagen ausgeladen. "Das ist schon ein langer Tag. Das muss einem wirklich Spaß machen."

Simone Fröhlich und ihr Mann Sven beladen im Laster die Abschussrohre. Vor 15 Jahren lernte Simone Fröhlich zufällig Jörg Werthner kennen. "Ich war schon immer von Feuerwerken begeistert." Sie fragte ihn, ob sie nicht mitmachen darf. Sie durfte. Ihren Mann Sven schleppte sie dann mit.

Jörg Werthner und Jochen Heckel stellen die beladenen Abschussgestelle auf und verbinden diese mit den funkgesteuerten Zündverteilern. Aus einem guten Sicherheitsabstand heraus wird dann der Abschuss der Kugelbomben gesteuert. Pünktlich um 22 Uhr starten die vier das Feuerwerk. Zur Begeisterung eines riesigen Publikums.

 

 

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